Wir Stormarner Jungsozialistinnen und Jungsozialisten (Jusos) solidarisieren uns mit den Jugendlichen der Stadt Glinde für die Einrichtung eines selbstverwalteten Jugendzentrums.
Seit 2007 wurde mittels verschiedenster Initiativen, Aktionen und Veranstaltungen der Forderung nach einem selbstverwalteten Jugendzentrum Ausdruck verliehen und Druck auf die örtliche Politik und die Öffentlichkeit ausgeübt. Jedoch bisher ohne zufrieden stellende Ergebnisse.
Wir Jusos treten ein für eine vielfältige und offene Gesellschaft. Um dieses Ziel zu erreichen bedarf es einer ebenso vielfältigen und kreativen Jugendkultur. Diese ist die Voraussetzung dafür, dass kommende Generationen die Gesellschaft aktiv und solidarisch gestalten können. Insbesondere in der Jugendphase werden Ansichten und Vorstellungen gefestigt, die die Menschen über lange Zeit prägen. Sozialisation und die Sensibilisierung für bestimmte politische Probleme und Themen geschehen nur durch ein ausreichend soziales, kritisches Umfeld. Selbstverwaltete Jugendeinrichtungen tragen in vielen Städten dazu bei, eine Jugendkultur zu schaffen, die eine Alternative zum herrschenden kommerzialisierten Mainstream bietet.
Erfolgreiche Beispiele aus anderen Städten zeigen, dass es nur am politischen Willen liegt auch in Glinde endlich voran zu kommen. Das Inihaus in Bad Oldesloe, das Autonome Jugendhaus in Bargteheide und die Jugendkulturinitiative 42 in Ahrensburg zeigen, dass selbstverwaltete Jugendarbeit funktionieren kann. Mit ihren Freizeitangeboten tragen sie einen wichtigen Teil zur kommunalen Jugendarbeit bei.
Ein selbstverwaltetes Jugendzentrum in Glinde kann daher eine echte Bereicherung für die Stadt sein. Statt Angst zu schüren und sich Vorurteilen hinzugeben sollten die Verantwortlichen lieber die positiven Aspekte und die Chancen die mit einer solchen Einrichtung verbunden sind betrachten. Wir fordern deshalb mit Nachdruck ein selbstverwaltetes Jugendzentrum in Glinde.
Die aktuellen Aussagen einiger politischer Akteure in Glinde hingegen haben mit einer sachlichen Auseinandersetzung nichts mehr zu tun. Die Art und Weise, wie hier mit berechtigten Forderungen von aktiven Glinder Jugendlichen umgegangen wird verurteilen wir auf's Schärfste. Ist es nicht die etablierte Politik, die immer wieder die fehlende Bereitschaft "der Jugend" anprangert, sich politisch zu engagieren? Deshalb wundert es uns sehr, dass hier Jugendliche angegriffen werden, die bereit sind in Glinde Engagement zu zeigen.
Die Junge Union Stormarn führt in Glinde eine regelrechte Kampagne durch, die linke und anders denkende Jugendliche diffamiert. Dies können und wollen wir als größte linke Jugendorganisation in Stormarn nicht akzeptieren! Die Junge Union stellt sich hier als unideologisch dar, und verfolgt im Grundsatz auch nur eine eigene Ideologie. Nach dieser Totalitarismus-Ideologie wird „links“ und „rechts“ als „Extremismus“ bezeichnet, den man nicht haben will. Und das ganz unhängig von den eigentlichen politischen Zielen. Die Junge Union wirft damit sozialistische, radikaldemokratische, antifaschistische und libertäre Denkansätze in einen Topf mit den menschenverachtenden Ideen der Nazis. Diese Haltung ist unfassbar!
Wir verurteilen an dieser Stelle die persönliche und namentliche Denunzierung einzelner linker Jugendlicher seitens der Jungen Union beim Verfassungsschutz!
Wir Jusos werben grundsätzlich für die Umsetzung politischer Ziele in kommunaler Selbstverwaltung und in Parlamenten. Aber wir glauben dennoch nicht an die Allmacht der Parlamente. Zur Demokratie gehört ebenso eine demokratische Kultur innerhalb der Gesellschaft. Hierzu gehören Menschen und Initiativen die sich engagieren und mit Diskussionen, Protesten und Aktionen auf sich und ihre Ideen aufmerksam machen. Dies ist nicht antidemokratisch, sondern zutiefst demokratisch!
Die Mehrzahl der Aktionen und Protestformen in Glinde verliefen friedlich und waren legitime und begrüßenswerte Mittel der InitiatorInnen um der Forderung nach einem Jugendzentrum Ausdruck zu verleihen. Nichtfriedliche Aktionen und Protestformen gegen einzelne Akteure lehnen wir hingegen ab!
Die politische Auseinandersetzung über ein selbstverwaltetes Jugendzentrum in Glinde sollte so schnell wie möglich wieder auf die Sachebene zurückgeführt werden. Dies ist allerdings nur auf Grundlage einer offenen und nicht-vorurteilsbehafteten Situation möglich. Nur so kann die Idee „Autonomes Jugendzentrum Glinde“ endlich in die Realität umgesetzt werden.
Jungsozialistinnen und Jungsozialisten (Jusos) in der SPD, Kreisverband Stormarn, August 2009